Marokko 2006
Ein Reisebericht von
Rosita und Manni


Mit diesem Fahrzeug, traten Rosita und Manfred die Reise nach Marokko an.

 


Derart abgetragene Schuh sind keine Seltenheit.

 

 


Die mitgebrachten Sachen wurden erst einmal begutachtet.

 

 

 

 

 

 


Manfred Köster gelangen während des Aufenthaltes in Marokko phantastische Aufnahmen.

 

 


Die Nomadenfamilien leben in erbärmlichen Verhältnissen. Selbst lebenswichtige Kleidungsstücke sind hier Mangelware.

 

 


Rosita Köster ist begeistert von der festlich geschmückten Braut.

 

 

 


Die Männer nehmen im Nomadenzelt den "Hochzeitsschmaus“ ein.

 

 

 


Diese beeindruckende Aufnahme entstand in der marokkanischen Wüste.

 

 

 

 

 

 


Manfred Köster, Oma Ginger, Gastgeber Ali, seine Frau Fdoum und Rosita Köster (von links).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Alis Sohn (links) testet die mitbebrachten Stifte und Malbücher. Ein Freund beobachtet ihn dabei.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Zwei Zelte in einem: Im Vordergrund das Frauen- und im Hintergrund das Männerzelt.

 

 

 

 

 

 
 
 

„Auf und davon“
Abenteuer bei Nomaden im Südosten von Marokko


Ein Reisebericht, erlebt und geschrieben von Rosita und Manni Köster aus Liebenburg.

Am Anfang stand der Traum von Unabhängigkeit und Reisen, Neues zu sehen, die Ürsprünglichkeit anderer Länder und Menschen mitzuerleben, neue Kontakte zu knüpfen und dort „Urlaub“ zu machen, wo kein „normaler“ Tourist hinkommt.
Aber mit welcher Art von Fahrzeug?
Die Suche begann.
Wirfanden unsere „Mäggie“, einen Magirus-Deutz LKW, mit Allradantrieb.
Es war Liebe auf den ersten Blick. Nach ungefähr vier
Jahren Umbauzeit war das 4x4- Wohnmobil fertiggestellt und die erste, große Bewährungsprobe stand an: Marokko!
Der Weg ist das Ziel Innerhalb von zehn Wochen fuhren wir ungefähr 6.500 Kilometer kreuz und quer durch das Land und bereis auf der Rückreise stand für uns fest, dass wir diese Reise noch einmal antreten würden. Diese zweite Marokko-Reise sollte uns weit hinein in die Wüste führen, in den Südosten, nahe der Algerischen Grenze. Zur Planung besorgten wir uns einen guten Reiseführer, der eine Route in den Osten beschrieb und genau da wollten wir hin. Dort lebt ein Deutscher, Thomas Friedrich, mit einer Nomadenfamilie auf einer Olivenplantage. Er besitzt dort Ziegen, Schafe und Bienenkästen und hat mittlerweile bereits 8.000 Olivenbäume angepflanzt. Der ausschlaggebende Punkt für uns aber war eine Kleiderkammer für Befürftige. Spontan fassten wir den Entschluss, ihn zu besuchen und vor allen Dingen warme Kinderkleidung mitzunehmen, denn während unserer ersten Reise hatten wir gesehen, wie notdürftig viele Kinder gekleidet waren, besonders in Anbetracht der Tatsache, dass es dort sehr kalt werden kann.
„World In Balance“
Nach einer kurzen Vorbereitung, drucken und verteilen von Plakaten, starteten wir mit Hilfe von Freunden, Bekannten und Arbeitskollegen sowie unseren Nachbarn die Aktion „World In Balance“. Auf diesem Wege sammelten wir warme Kindersachen, wie Pullover, Jacken, Hosen und Schuhe sowie Bleistifte und Kugelschreiber, Zeichenblöcke, Kuscheltiere und weitere Spielsachen, die in vielen heimischen Kinderzimmern übrig waren.
Die Sammelaktion wurde zum großen Erfolg.
Mit einer solchen Resonanz hatten wir nicht gerechnet. Vielen Dank an Alle, die uns so spontan geholfen haben.
Am Anfang des vergangenen Jahres hatten wir dann alle Sachen zusammen. Kartons und blaue Säcke mussten nun auf dem Dachgepäckträger unserer „Mäggie“ verstaut werden. Jeder freie Platz in dem LKW wurde genutzt und das Fahrzeug war schließlich randvoll beladen.
Am 25. Januar 2007 startete dann unsere zweite Reise nach Marokko. Mit dabei waren auch unsere Hunde Mandy und Josch.
Für die Strecke durch Frankreich und Spanien brauchten
wir bis zum Fährhafen Algeciras fünfeinhalb Tage.
Wir „gönnten“ uns zwei Tage Pause und Erholung am Strand von Tarifa, mit herrlichen Blick auf Nordafrika und Tanger, der großen Hafenstadt im Norden von Marokko.
Auf einer Wiese am Strand treffen sich in jedem Winter Menschen aus aller Welt, ein bunter Mix aus Touristen, Hippies und gestrandeten Menschen, die hier den kalte Jahreszeit verbringen.
Auch viele Deutsche leben hier mit ihren spanischen Hunden in alen Wohnwagen.
Bevor wir zur Fähre fuhren, mussen wir noch einkaufen und uns am Hafen Tickets besorgen.
Der spanische Zoll machte keinerlei Schwierigkeiten und schon waren wir auf der Fähre.
Auf der cirka einstündigen Überfahrt durch die Straße von Gibraltar nach Ceuta hatten wir etwas Zeit zur Entspannung.
Auf dem Deck sahen wir viele Marokkaner, die in Spanien arbeiten oder einkaufen waren. Sie waren beladen mit viel Gepäck und Kartons. Nach der Ankunft fühlten wir uns schlagartig „in einer anderen Welt.“
Zum Glück bereiteten uns die Zöllner auch dort keine Probleme. Sie schauten nur kurz in unser Fahrzeug und schon konnte es weitergehen. Der Strassenverkehr in Spanien ist schon sehr stressig, aber in Marokko ist er eine Katastrophe: Alte, klapprige Autos, dazwischen Eselskarren und Radfahrer, defekte Ampeln, pfeifende Polizisten und kein einziges Verkehrsschild.
„Wie kommen wir hier bloß wieder raus, nur keinen Unfall bauen“, war unser einziger Gedanke. Der Puls ging in die Höhe, die Anspannung war enorm.
Aber irgendwie ging es weiter in Richtung Fes und Hohen Atlas.
Nach ungefähr 80 Kilometern ging es runter von der Straße auf eine kleine Piste zur Suche nach einem geeigneten Schlafplatz.
Bevor es dunkel wurde, bekamen wir noch Besuch von Kindern, die mit ihrer Ziegenherde auf dem Heimweg waren. Wir wurden sofort nach Bonbons und Stilos gefragt. Wir merkten, dass sie Angst vor unseren Hunden hatten und so trauten sie sich auch nicht näher an uns heran.
Am folgenden Tag ging es weiter Richtung Fes. Was für ein Schock: Dort lagen mindestens Zentimeter Schnee. Eigentlich wollten wir in die Sonne, an Schnee hatten wir gar nicht gedacht.
Die Hauptverkehrsstraße nach Erraschidia war komplett
gesperrt. Bis zu Thomas waren es noch ungefähr 300 Kilometer, die wir auf den viel schöneren Nebenstrecken fahren wollten.
Aber dieses Vorhaben scheiterte, sie waren unpassierbar. Im Konvoi, der Schneepflug vorweg,
ging es einspurig über den Pass.
Während der zweiten Nacht kamen unsere neuen Schlafsäcke „voll zum Einsatz“. Trotz des Versprechens des Herstellers, dass sie uns bis minus 18 Grad warm halten würden, froren wir sehr und mussten unsere Heizung einschalten.
Am nächsten Tag waren wir auf der Südseite vom Hohen Atlas.
Das Wetter wurde merklich besser, sogar die Sonne schien.
Dann ging es herunter von der Hauptverkehrsstraße und ungefähr 150 Kilometer weiter in Richtung algerische Grenze. Die Gegend wurde immer karger, kaum noch Städte oder Dörfer, schneebedeckte Berge am Horizont und dann gar nichts mehr.
Irgendwo hier musste Thomas wohnen. In einem kleinen Dorf fragten wir nach „Missieur Thomas“. Man zeigte uns die Richtung und nach einigem Suchen waren wir tatsächlich am Ziel.
Die Freude war groß, schließlich kommen nicht häufig deutsche Urlauber in diese Einöde.
Von Thomas´ Vorarbeiter, Ali, wurden wir auf deutsch begrüßt und auch seine Kinder Mohand, Lassem und Fatma konnten ein bisschen deutsch sprechen. Das jüngste Kind wurde noch von ihrer Mutter auf dem Rücken getragen.
Was für eine Atmosphäre:
Auf der einen Seite das Haus von Thomas, aus Lehm und
schön verputzt, auf der anderen Seite das Nomadenzelt von Ali und seiner Familie. Dann ging es ans Auspacken, alle waren sehr gespannt, was wir denn da auf und in dem LKW hatten. Alle halfen mit beim Abladen. Die Sachen wurden erst einmal zum Sortieren in die Kleiderkammer gebracht.
Die Augen der Kinder wurden immer größer, als sie die vielen Spielzeuge und Kuscheltiere sahen. Auch die Erwachsenen freuten sich über die Dinge. Ali und die Kinder suchten sich gleich einige Sachen aus und die Kleinen liefen gleich zu ihrer Mutter, um die Geschenke zu zeigen . Müde und geschafft, aber auch
glücklich und zufrieden, waren wir froh, dass bis dahin alles gutgegangen war. Auch unsere Vierbeiner waren froh, dass sie sich wieder frei bewegen konnten und erkundeten erst einmal die Umgebung. Hühner, Katzen, Schafe, Ziegen, Esel und halbwilde Hunde. Alles kein Problem für unsere beiden. Sie fühlten
sich, wie auch wir, sehr wohl. Am Abend bekamen wir die erste Einladung von Ali und seiner Frau zum Teetrinken in ihrem Zelt. Zum ersten mal in unserem Leben betraten wir ein Nomadenzelt.
Die Schuhe wurden vor dem Zelt ausgezogen. Die ganze Familie war im Inneren versammelt, auch Thomas.
Fdoum saß an der offenen Feuerstelle und kochte in einem alten, verbeulten Kessel den frischen Minztee-
Berberwhiskey. Die Kinder spielten mit ihren neuen Spiesachen und Lassem malte in einem Malbuch mit den mitgebrachten Stiften. Eine kleine Gaslampe erhellte notdürftig das Zelt. Die Kinder saßen barfuß auf dem festgestampften Lehmboden.Uns wurde ein Platz auf den Teppichen angeboten, worauf nachts die ganze Familie
schläft.Selbst mit dicker Jacke und Socken war uns kalt. Nach einigen Gläsern Tee und angeregter Unterhaltung, gingen wir mit eiskalten Füssen und müde
ins Bett.
Die Nacht war schnell vorbei und schon wurden wir vom Krähen des Hahnes geweckt.Das erste Frühstück: Die kleine Fatma kam vorsichtig immer näher, Stück für Stück. Dann war sie in unserem Auto. Sie sah süß aus
mit ihren großen, schwarzen Augen und ihren mit Henna gefärbten Haaren und Händen.Sie hatte ständig eine „Rotznase“ und ganz viel Hunger.
Auch Thomas freute sich über das deutsche Frühstück und frisch gefiltertem Kaffee.
Die folgenden Tage ruhten wir uns aus, nahmen am täglichen Leben der Familie teil und genossen es, einfach dort zu sein.
Fdoum versogte uns mit frischem Fladenbrot, das sie in einem typischen marokkanischen Backofen aus Ton, für uns wie im Mittelalter, gebacken hatte.
Nach zwei Wochen Fahrt stand waschen mit kaltem Brunnenwasser und „technischer Dienst“ am Auto auf dem Programm.
Zwischendurch kamen immer wieder Leute aus der Umgebung, um nach Sachen zu fragen, denn es hatte sich wie ein Lauffeuer herumgesprochen, das Thomas Besuch hat, der diverse Dinge mitgebracht hat. Viele Väter kamen mit ihren Kindern vorbei und für jedes wurde etwas Passendes ausgesucht.
Ali fragte uns, ob wir am darauf folgenden Tag mitfahren wollten zu einigen Nomadenfamilien.
Natürlich wollten wir, denn die meisten Sachen waren
für sie bestimmt. Vier Familien vom Stamm der Ait Seruchen wohnen in einem Gebiet, so groß wie Goslar und Wolfenbüttel, zusammen mit ihren Schafen und Ziegen. In diesem riesigen Gebiet gibt es keine Straßen.
Am nächsten Morgen fuhren wir mit Thomas und Ali als
Führer los. Thomas nutzte die Gelegenheit, nach seinen Ziegen- und Schafherden zu sehen, die von den Nomadenfamilien mitbetreut werden. Er sorgt dafür das die Tiere geimpft werden und übernimmt die Tierarztkosten.
Ali kannte sich in dem Gelände bestens aus, wusste aber auch nicht genau, wo sich die Familien zu der Zeit befanden. Zuerst mussten wir einen Fluss überqueren, der reichlich Wasser führte, aber Ali wusste wo die Furt war, also Allrad und Sperren eingeschaltet, schon waren wir mittendrin im Abenteuer.
Ein Weg war für uns nicht zu erkennen. Wir fuhren genau nach Alis Anweisungen. Die Wüste war feucht und teilweise schlammig und unsere „Mäggie“ wurde ganz schön durchgeschüttelt.
Ali schmulzelte und zeigte immer geradeaus, ab und
zu folgten wir einem Eselspfad. Dann endlich, nach vielen Kilometern, sagte er „Stopp“. Wir mussten zu Fuß weiter, einen kleinen Berg hinauf. Von oben sahen wir das Zelt der ersten Familie. Für unsere ungeübten
Augen kaum zu erkennen. Ihre Hunde hatten uns schon angekündigt und langsam gingen wir aufeinander zu. Als die Kinder Ali entdeckten, war der Bann gebrochen. Die ganze Familie, zwei Erwachsene und fünf Kinder gingen mit zum Auto. Die mitgebrachten Sachen wurden auf einer Decke ausgebreitet und anschließend verteilten wir warme Sachen, Schuhe und Kuscheltiere.
Die Eltern standen gerührt daneben und der Vater hatte Tränen in den Augen. Sie konnten ihr Glück kaum fassen. Auch wir waren sehr gerührt über die Freude, die wir der Familie bereitet hatten. Für uns waren es doch „nur ein paar gebrauchte Sachen“.
Bei der zweiten Familie war die Not noch größer: Drei der sechs Kinder hatten überhaupt keine Schuhe, der Rest alte Plastikschuhe. Auch hier wurde alles gerecht verteilt, vor allem aber Schuhe. Aus Dankbarkeit küsste der Vater Manfreds Hand.
Auch uns kamen die Tränen. Bevor es wieder „nach Hause“ ging, wurde noch ein Nomadensupermarkt besucht. Eine sesshafte Berberfamilie versorgt die Nomaden im Umkreis mit dem Nötigsten, wie Mehl, Hirse, Öl, Konserven und so weiter. Das Oberhaupt der Familie lud uns zum Tee ein und zeigte uns stolz sein Haus und das Geschäft.
Dann wurde es aber Zeit für die Rückfahrt, bevor es dunkel wurde. Es waren ungefähr 45 Kilometer über Stock und Stein bis zum Haus von Thomas. Auf halber Strecke, mitten in der Wüste, wartete ein Mann auf
uns. Er wusste wohl genau, dass wir wieder dort vorbei kommen würden. Es war der Vater der ersten Familie. Ali unterhielt sich mit ihm und kam freudestrahlend
zurück. Wir wurden für den nächsten Tag zu einer
Nomadenhochzeit eingeladen. Was für ein Privileg für uns! Am späten Nachmittag des folgenden Tages, machten sich alle Beteiligten schick, Fdoum und Ali in ihrer Stammestracht mit Silberschmuck und Krummsäbel.
Sie sahen beide bezaubernd aus.
Sechs Kinder und sechs Erwachsene wurden ins Auto geladen. Oma Ginger musste vorn sitzen, weil sie das Autofahren nicht so gut vertragen und sicheventuell übergeben könnte. Im nächsten Dorf kauften wir gemeinsam mit Thomas das Hochzeitsgeschenk,
zwei große Zuckerhüte und einige Päckchen Tee. Wir waren ganz erstaunt, dass das alles sein sollte, aber
man beruhigte uns, es wäre genug.
Es war bereits dunkel, als wir von der Straße auf die Piste abbogen und nach ungefähr drei Kilometern das Festzelt erreichten. Zu erkennen waren zwei Zelte, wie sich herausstellte ein Frauen- und ein Männerzelt. Eine kleine Gaslaterne verströmte ein wenig Licht in der stockdunklen Nacht. Den Weg mussten wir mit der Taschenlampe ausleuchten, um nicht über Steine zu stolpern.Unsere Augen gewöhnten sich schnell an die Dunkelheit. Etwas abseits standen einige Esel mit
denen manche Gäste gekommen waren. Viele kamen zu Fuß von weit her.
Wir waren die Sensation für Erwachsene und Kinder und
wurden gleich „umzingelt“ und neugierig betrachtet. Einige Mädchen betrachteten es als Mutprobe an, eine blonde, weiße Frau zu berühren, um dann gleich wegzulaufen. Doch dann mussten wir uns trennen: Die Männer gingen in das Männerzelt und die Frauen und Kinder in das Frauenzelt. Wir waren getrennt „in einer anderen Welt“.
Unglaublich, was für ein Bild tat sich uns auf. Fatma wich nicht von meiner Seite. Sie genoss die Aufmerksamkeit, mit der uns Frauen und Kinder betrachteten.
Im Frauenzelt wurde das Essen, Couscous, zubereitet und der Rauch vom offenen Feuer brannte in den Augen. Fatma hatte mal wieder eine „Rotznase“ und bekam von mir eine Packung Papiertaschentücher.
Alle Augen im Zelt waren auf das kleine Mädchen gerichtet. Taschentücher sind hier völlig unbekannt. Sie nahm sich, wie eine kleine Dame, ein Taschentuch aus der Verpackung, putzte sich damit selbst die Nase und wurde von den großen Mädchen, die alles genau beobachteten, sehr bewundert.
Tanzende und singende Frauen und Männer erzeugten vor
dem Zelt eine Gänsehautatmosphäre.
Wir waren herzlich willkommen und durften sogar
fotografieren. Bei den Männern gab es Tee. 30 bis 40 Männer mussten sich acht Gläser teilen.
Sie wurden nach dem Benutzen nicht abgewaschen, sondern mit einem Tuch ausgewischt.
Als Gast bekam ich natürlich ein Glas und wurde von den Männern genau beobachtet. Vor dem Essen wurde eine Schale mit Wasser herumgereicht zum Händewaschen. Draußen spielte die „Nomadenband“. Dann kam das Essen für die Männer. Die Frauen mussten sich mit Tee begnügen. Eine große Schale aus Ton, gefüllt mit einer fast klaren Brühe und ein paar Karotten. In der Mitte ein Ziegen- oder Schafskopf. Das Oberhaupt reichte mir ein Stück Fladenbrot und als Gast durfte ich anfangen
zu essen. Etwas später, als wir uns wieder draußen trafen, wurden wir noch kurz dem Bräutigam vorgestellt. Ali drängte zum Aufbruch. Völlig durchgefroren gingen wir zurück zum Auto.
Mit sechs Erwachsenen und sechs Kindern war unser Platzangebot im Auto völlig ausgereizt, aber nun wollten viele der Gäste mitfahren und drängten
sich regelrecht in unsen LKW.
Ali musste ein Machtwort sprechen. Ein Nachbar von Thomas durfte mitfahren, denn er musste zu Hause nach den Tieren sehen und am nächsten Tag ging er wieder zu der Hochzeit , die insgesamt dre Tage lang gefeiert wurde. Da die ganze Verwandtschaft bereits für die Hochzeit versammelt war, passte es sehr gut, gleich noch ein Ereignis zu feiern: Thomas erzählte uns,
dass in seiner Nachbarschaft ein Wunderheiler wohnt, der von Marokkanern und Nomaden um Rat und Hilfe gebeten wurde. Meistens mit Erfolg, auch wenn es unglaublich klingt. Die Familie hatte ihr siebtes Kind bekommen und dieses Mädchen sollte nun ihren Namen erhalten. Darüber hinaus wurde an diesem Tag auch die Beschneidung des jüngsten Jungen vorgenommen.
Männer und Frauen in ihrer traditionellen Tracht, die Männer mit Dolchen und Gewehren.
Alle tanzten und waren fröhlich.
Zwei der Frauen tanzten sich so sehr in Extase, das sie ohnmächtig wurden und von den Männern gestützt werden mussten. Es war ein phänomenales und ergreifendes Schauspiel welches ich miterleben und fotografieren durfte. Manfred war leider nicht dabei, er hatte noch mit den Nachwirkungen der Hochzeit zu kämpfen, Durchfall! Ich war froh, dass es auf der Hochzeit für die Frauen nichts zu essen gab, denn sie bekommen das, was die Männer ihnen übrig lassen, aber da waren wir schon nicht mehr anwesend. Auf jeden Fall war es ein großes Fest und im Laufe des Tages trafen immer mehr Nachbarn und Verwandte ein. Auch Ginger, Alis Mutter war dabei. Thomas erzählte uns, dass sie die ganze Nacht durchtanzen würde, sich aber in den
kommenden Tagen nicht mehr rühren könnte.
Große Nachfrage Auch an den nächsten Tagen
kamen immer wieder Nomaden zu uns und fragten nach Kleidung und Kuscheltieren. Thomas passte auf und sagte uns, wer unbedingt etwas brauchte, denn es waren auch Leute dabei, denen es besser ging. Viele Kugelschreiber und Malstifte gaben wir Mohand mit in seine Dorfschule, die er gegen den Widerstand seiner Oma und Mutter besucht. Thomas musste alle seine Überredungskünste anwenden, damit der Junge in die Schule durfte. Demnächst wird Lassem eingeschult und
die kleine Fatma wird das erste Nomadenmädchen sein, das eine Schule besucht. Aber dafür wird Thomas sehr Kämpfen müssen.
Nach Meinung vieler Eltern ist Schule, und dann auch noch für Mädchen, völlig unwichtig.
Nach drei Wochen Aufenthalt, kauften wir in Er-Raschidia Obst und Fladenbrot für die nächste Etappe in Richtung Süden. Der Weg führte uns nach Erfoud.
Ab dort gab es praktisch nichts mehr, außer Sand. Erfoud ist in Marokko eine der Hochburgen
für Fossilienverkäufer und -sammler. Wir lernten Mohamad kennen, einen jungen Mann, der einen Fossilienstand hatte. Wir durften dort auf seinem Gelände übernachten und freundeten uns mit ihm an. Schon am folgenden Tag wurden wir zum Couscous-Essen bei seiner Familie eingeladen. Er zeigte uns stolz sein Haus und in seinem Wohn- und Schlafzimmer stand
sogar ein batteriebetriebenes Fernsehgerät. Zur Begrüßung bekamen den obligatorischen Minztee. Wir sahen uns einige Familienbilder an, bis es das Essen gab. Ab und zu rieselte etwas Lehm von der Decke und
fiel mit einem „Plopp“ in unser Teeglas. Da ich eine begeisterte Fossilien- und Steinesammlerin
bin, bot sich Mohamad an, mit uns Sandrosen zu suchen. Also fuhren wir mit ihm und seinem kleinen Sohn, auf Pisten, die er genau kannte, ungefähr 45 Kilometer
in Richtung algerische Grenze. An einer wunderschönen
Oase machten wir Rast und unser Führer bereitete uns
eine Wüstenpizza zu. Den Teig und die Füllung hatte er von zu Hause mitgebracht. Er baute im Sand einen provisorischen Ofen. Die Pizza wurde in die Glut gelegt, mit Sand überdeckt und eine halbe Stunde lang gebacken.
Sie schmeckte vorzüglich,nur der Sand zwischen den
Zähnen störte beim Kauen. Im Anschluss daran ging es auf Suche nach den Sandrosen. Alleine hätte ich nichts gefunden, erst als mich Mohamad auf die Stellen aufmerksam machte, fand ich einige Exemplare.
Wir hatten schon wieder das Glück, einen Einheimischen
kennengelernt zu haben, der uns Einblick in seine Welt gewährte.
Wir konnten uns gut unterhalten, denn er sprach ganz gut deutsch. Er hatte es von Touristen gelernt.
Wir waren immer wieder erstaunt, wie viele Marokkaner
unsere Sprache kannten. Beschämend für uns, wir konnten noch nicht mal französisch.
Wir trennten uns nur schweren Herzens, aber wir wollten weiter zum Erg Chebbi (Großer Sand).
Nach einigen Kilometern erreichten wird das Ende der geteerten Straße und vor uns lag eine unübersehbare Wüstenlandschaft, die wir durchquerenmussten und das ohne GPS, nur den Pfählen nach, die in großen Abständen im Sand steckten. Wir wollten Abenteuer erleben, jetzt war es soweit. Also wieder Allrad und Sperren rein und ab durch die Wüste, mit der Sonne, immer nach Süden. Schliesslich erreichten wir unser Ziel, die bis zu 200 Meter hohen Sanddünen des Erg Chebbi.
Nach Jahrzehnten hatte es in der Wüste wieder geregnet und uns tat sich eine atemberaubende Kulisse auf. Vor dieser grandiosen Dünenlandschaft hatte sich ein großer See gebildet, an dessen Ufer Flamingos im seichten Wasser nach Futter suchten. Wir
sahen herrliche Sonnenauf- und -untergänge. Kamelkarawanen zogen an uns vorbei und uns gelangen
phantastische Fotos.
Nachdem wir einige Tage Sonne getankt hatten, zog es uns wieder in den Norden zu Thomas
und der Nomadenfamilie.
Alle freuten sich, uns wieder zusehen und so schloss sich der Kreis. Schon bald ging es weiter, auf
zum nächsten Abenteuer.

Es gab ja noch so viel zu sehen ...