
Mit
diesem Fahrzeug, traten Rosita und Manfred die Reise nach
Marokko an. |
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Derart
abgetragene Schuh sind keine Seltenheit. |
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Die
mitgebrachten Sachen wurden erst einmal begutachtet.
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Manfred
Köster gelangen während des Aufenthaltes in Marokko
phantastische Aufnahmen. |
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Die
Nomadenfamilien leben in erbärmlichen Verhältnissen.
Selbst lebenswichtige Kleidungsstücke sind hier Mangelware. |
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Rosita
Köster ist begeistert von der festlich geschmückten
Braut. |
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Die
Männer nehmen im Nomadenzelt den "Hochzeitsschmaus
ein.
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Diese
beeindruckende Aufnahme entstand in der marokkanischen
Wüste.
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Manfred
Köster, Oma Ginger, Gastgeber Ali, seine Frau Fdoum
und Rosita Köster (von links). |
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Alis
Sohn (links) testet die mitbebrachten Stifte und Malbücher.
Ein Freund beobachtet ihn dabei. |
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Zwei
Zelte in einem: Im Vordergrund das Frauen- und im Hintergrund
das Männerzelt.
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Auf
und davon
Abenteuer bei Nomaden im Südosten von Marokko
Ein Reisebericht, erlebt und geschrieben von Rosita und Manni
Köster aus Liebenburg.
Am Anfang stand der Traum von Unabhängigkeit und Reisen,
Neues zu sehen, die Ürsprünglichkeit anderer Länder
und Menschen mitzuerleben, neue Kontakte zu knüpfen und
dort Urlaub zu machen, wo kein normaler
Tourist hinkommt.
Aber mit welcher Art von Fahrzeug?
Die Suche begann.
Wirfanden unsere Mäggie, einen Magirus-Deutz
LKW, mit Allradantrieb.
Es war Liebe auf den ersten Blick. Nach ungefähr vier
Jahren Umbauzeit war das 4x4- Wohnmobil fertiggestellt und
die erste, große Bewährungsprobe stand an: Marokko!
Der Weg ist das Ziel Innerhalb von zehn Wochen fuhren wir
ungefähr 6.500 Kilometer kreuz und quer durch das Land
und bereis auf der Rückreise stand für uns fest,
dass wir diese Reise noch einmal antreten würden. Diese
zweite Marokko-Reise sollte uns weit hinein in die Wüste
führen, in den Südosten, nahe der Algerischen Grenze.
Zur Planung besorgten wir uns einen guten Reiseführer,
der eine Route in den Osten beschrieb und genau da wollten
wir hin. Dort lebt ein Deutscher, Thomas Friedrich, mit einer
Nomadenfamilie auf einer Olivenplantage. Er besitzt dort Ziegen,
Schafe und Bienenkästen und hat mittlerweile bereits
8.000 Olivenbäume angepflanzt. Der ausschlaggebende Punkt
für uns aber war eine Kleiderkammer für Befürftige.
Spontan fassten wir den Entschluss, ihn zu besuchen und vor
allen Dingen warme Kinderkleidung mitzunehmen, denn während
unserer ersten Reise hatten wir gesehen, wie notdürftig
viele Kinder gekleidet waren, besonders in Anbetracht der
Tatsache, dass es dort sehr kalt werden kann.
World In Balance
Nach einer kurzen Vorbereitung, drucken und verteilen von
Plakaten, starteten wir mit Hilfe von Freunden, Bekannten
und Arbeitskollegen sowie unseren Nachbarn die Aktion World
In Balance. Auf diesem Wege sammelten wir warme Kindersachen,
wie Pullover, Jacken, Hosen und Schuhe sowie Bleistifte und
Kugelschreiber, Zeichenblöcke, Kuscheltiere und weitere
Spielsachen, die in vielen heimischen Kinderzimmern übrig
waren.
Die Sammelaktion wurde zum großen Erfolg.
Mit einer solchen Resonanz hatten wir nicht gerechnet. Vielen
Dank an Alle, die uns so spontan geholfen haben.
Am Anfang des vergangenen Jahres hatten wir dann alle Sachen
zusammen. Kartons und blaue Säcke mussten nun auf dem
Dachgepäckträger unserer Mäggie
verstaut werden. Jeder freie Platz in dem LKW wurde genutzt
und das Fahrzeug war schließlich randvoll beladen.
Am 25. Januar 2007 startete dann unsere zweite Reise nach
Marokko. Mit dabei waren auch unsere Hunde Mandy und Josch.
Für die Strecke durch Frankreich und Spanien brauchten
wir bis zum Fährhafen Algeciras fünfeinhalb Tage.
Wir gönnten uns zwei Tage Pause und Erholung
am Strand von Tarifa, mit herrlichen Blick auf Nordafrika
und Tanger, der großen Hafenstadt im Norden von Marokko.
Auf einer Wiese am Strand treffen sich in jedem Winter Menschen
aus aller Welt, ein bunter Mix aus Touristen, Hippies und
gestrandeten Menschen, die hier den kalte Jahreszeit verbringen.
Auch viele Deutsche leben hier mit ihren spanischen Hunden
in alen Wohnwagen.
Bevor wir zur Fähre fuhren, mussen wir noch einkaufen
und uns am Hafen Tickets besorgen.
Der spanische Zoll machte keinerlei Schwierigkeiten und schon
waren wir auf der Fähre.
Auf der cirka einstündigen Überfahrt durch die Straße
von Gibraltar nach Ceuta hatten wir etwas Zeit zur Entspannung.
Auf dem Deck sahen wir viele Marokkaner, die in Spanien arbeiten
oder einkaufen waren. Sie waren beladen mit viel Gepäck
und Kartons. Nach der Ankunft fühlten wir uns schlagartig
in einer anderen Welt.
Zum Glück bereiteten uns die Zöllner auch dort keine
Probleme. Sie schauten nur kurz in unser Fahrzeug und schon
konnte es weitergehen. Der Strassenverkehr in Spanien ist
schon sehr stressig, aber in Marokko ist er eine Katastrophe:
Alte, klapprige Autos, dazwischen Eselskarren und Radfahrer,
defekte Ampeln, pfeifende Polizisten und kein einziges Verkehrsschild.
Wie kommen wir hier bloß wieder raus, nur keinen
Unfall bauen, war unser einziger Gedanke. Der Puls ging
in die Höhe, die Anspannung war enorm.
Aber irgendwie ging es weiter in Richtung Fes und Hohen Atlas.
Nach ungefähr 80 Kilometern ging es runter von der Straße
auf eine kleine Piste zur Suche nach einem geeigneten Schlafplatz.
Bevor es dunkel wurde, bekamen wir noch Besuch von Kindern,
die mit ihrer Ziegenherde auf dem Heimweg waren. Wir wurden
sofort nach Bonbons und Stilos gefragt. Wir merkten, dass
sie Angst vor unseren Hunden hatten und so trauten sie sich
auch nicht näher an uns heran.
Am folgenden Tag ging es weiter Richtung Fes. Was für
ein Schock: Dort lagen mindestens Zentimeter Schnee. Eigentlich
wollten wir in die Sonne, an Schnee hatten wir gar nicht gedacht.
Die Hauptverkehrsstraße nach Erraschidia war komplett
gesperrt. Bis zu Thomas waren es noch ungefähr 300 Kilometer,
die wir auf den viel schöneren Nebenstrecken fahren wollten.
Aber dieses Vorhaben scheiterte, sie waren unpassierbar. Im
Konvoi, der Schneepflug vorweg,
ging es einspurig über den Pass.
Während der zweiten Nacht kamen unsere neuen Schlafsäcke
voll zum Einsatz. Trotz des Versprechens des Herstellers,
dass sie uns bis minus 18 Grad warm halten würden, froren
wir sehr und mussten unsere Heizung einschalten.
Am nächsten Tag waren wir auf der Südseite vom Hohen
Atlas.
Das Wetter wurde merklich besser, sogar die Sonne schien.
Dann ging es herunter von der Hauptverkehrsstraße und
ungefähr 150 Kilometer weiter in Richtung algerische
Grenze. Die Gegend wurde immer karger, kaum noch Städte
oder Dörfer, schneebedeckte Berge am Horizont und dann
gar nichts mehr.
Irgendwo hier musste Thomas wohnen. In einem kleinen Dorf
fragten wir nach Missieur Thomas. Man zeigte uns
die Richtung und nach einigem Suchen waren wir tatsächlich
am Ziel.
Die Freude war groß, schließlich kommen nicht
häufig deutsche Urlauber in diese Einöde.
Von Thomas´ Vorarbeiter, Ali, wurden wir auf deutsch
begrüßt und auch seine Kinder Mohand, Lassem und
Fatma konnten ein bisschen deutsch sprechen. Das jüngste
Kind wurde noch von ihrer Mutter auf dem Rücken getragen.
Was für eine Atmosphäre:
Auf der einen Seite das Haus von Thomas, aus Lehm und
schön verputzt, auf der anderen Seite das Nomadenzelt
von Ali und seiner Familie. Dann ging es ans Auspacken, alle
waren sehr gespannt, was wir denn da auf und in dem LKW hatten.
Alle halfen mit beim Abladen. Die Sachen wurden erst einmal
zum Sortieren in die Kleiderkammer gebracht.
Die Augen der Kinder wurden immer größer, als sie
die vielen Spielzeuge und Kuscheltiere sahen. Auch die Erwachsenen
freuten sich über die Dinge. Ali und die Kinder suchten
sich gleich einige Sachen aus und die Kleinen liefen gleich
zu ihrer Mutter, um die Geschenke zu zeigen . Müde und
geschafft, aber auch
glücklich und zufrieden, waren wir froh, dass bis dahin
alles gutgegangen war. Auch unsere Vierbeiner waren froh,
dass sie sich wieder frei bewegen konnten und erkundeten erst
einmal die Umgebung. Hühner, Katzen, Schafe, Ziegen,
Esel und halbwilde Hunde. Alles kein Problem für unsere
beiden. Sie fühlten
sich, wie auch wir, sehr wohl. Am Abend bekamen wir die erste
Einladung von Ali und seiner Frau zum Teetrinken in ihrem
Zelt. Zum ersten mal in unserem Leben betraten wir ein Nomadenzelt.
Die Schuhe wurden vor dem Zelt ausgezogen. Die ganze Familie
war im Inneren versammelt, auch Thomas.
Fdoum saß an der offenen Feuerstelle und kochte in einem
alten, verbeulten Kessel den frischen Minztee-
Berberwhiskey. Die Kinder spielten mit ihren neuen Spiesachen
und Lassem malte in einem Malbuch mit den mitgebrachten Stiften.
Eine kleine Gaslampe erhellte notdürftig das Zelt. Die
Kinder saßen barfuß auf dem festgestampften Lehmboden.Uns
wurde ein Platz auf den Teppichen angeboten, worauf nachts
die ganze Familie
schläft.Selbst mit dicker Jacke und Socken war uns kalt.
Nach einigen Gläsern Tee und angeregter Unterhaltung,
gingen wir mit eiskalten Füssen und müde
ins Bett.
Die Nacht war schnell vorbei und schon wurden wir vom Krähen
des Hahnes geweckt.Das erste Frühstück: Die kleine
Fatma kam vorsichtig immer näher, Stück für
Stück. Dann war sie in unserem Auto. Sie sah süß
aus
mit ihren großen, schwarzen Augen und ihren mit Henna
gefärbten Haaren und Händen.Sie hatte ständig
eine Rotznase und ganz viel Hunger.
Auch Thomas freute sich über das deutsche Frühstück
und frisch gefiltertem Kaffee.
Die folgenden Tage ruhten wir uns aus, nahmen am täglichen
Leben der Familie teil und genossen es, einfach dort zu sein.
Fdoum versogte uns mit frischem Fladenbrot, das sie in einem
typischen marokkanischen Backofen aus Ton, für uns wie
im Mittelalter, gebacken hatte.
Nach zwei Wochen Fahrt stand waschen mit kaltem Brunnenwasser
und technischer Dienst am Auto auf dem Programm.
Zwischendurch kamen immer wieder Leute aus der Umgebung, um
nach Sachen zu fragen, denn es hatte sich wie ein Lauffeuer
herumgesprochen, das Thomas Besuch hat, der diverse Dinge
mitgebracht hat. Viele Väter kamen mit ihren Kindern
vorbei und für jedes wurde etwas Passendes ausgesucht.
Ali fragte uns, ob wir am darauf folgenden Tag mitfahren wollten
zu einigen Nomadenfamilien.
Natürlich wollten wir, denn die meisten Sachen waren
für sie bestimmt. Vier Familien vom Stamm der Ait Seruchen
wohnen in einem Gebiet, so groß wie Goslar und Wolfenbüttel,
zusammen mit ihren Schafen und Ziegen. In diesem riesigen
Gebiet gibt es keine Straßen.
Am nächsten Morgen fuhren wir mit Thomas und Ali als
Führer los. Thomas nutzte die Gelegenheit, nach seinen
Ziegen- und Schafherden zu sehen, die von den Nomadenfamilien
mitbetreut werden. Er sorgt dafür das die Tiere geimpft
werden und übernimmt die Tierarztkosten.
Ali kannte sich in dem Gelände bestens aus, wusste aber
auch nicht genau, wo sich die Familien zu der Zeit befanden.
Zuerst mussten wir einen Fluss überqueren, der reichlich
Wasser führte, aber Ali wusste wo die Furt war, also
Allrad und Sperren eingeschaltet, schon waren wir mittendrin
im Abenteuer.
Ein Weg war für uns nicht zu erkennen. Wir fuhren genau
nach Alis Anweisungen. Die Wüste war feucht und teilweise
schlammig und unsere Mäggie wurde ganz schön
durchgeschüttelt.
Ali schmulzelte und zeigte immer geradeaus, ab und
zu folgten wir einem Eselspfad. Dann endlich, nach vielen
Kilometern, sagte er Stopp. Wir mussten zu Fuß
weiter, einen kleinen Berg hinauf. Von oben sahen wir das
Zelt der ersten Familie. Für unsere ungeübten
Augen kaum zu erkennen. Ihre Hunde hatten uns schon angekündigt
und langsam gingen wir aufeinander zu. Als die Kinder Ali
entdeckten, war der Bann gebrochen. Die ganze Familie, zwei
Erwachsene und fünf Kinder gingen mit zum Auto. Die mitgebrachten
Sachen wurden auf einer Decke ausgebreitet und anschließend
verteilten wir warme Sachen, Schuhe und Kuscheltiere.
Die Eltern standen gerührt daneben und der Vater hatte
Tränen in den Augen. Sie konnten ihr Glück kaum
fassen. Auch wir waren sehr gerührt über die Freude,
die wir der Familie bereitet hatten. Für uns waren es
doch nur ein paar gebrauchte Sachen.
Bei der zweiten Familie war die Not noch größer:
Drei der sechs Kinder hatten überhaupt keine Schuhe,
der Rest alte Plastikschuhe. Auch hier wurde alles gerecht
verteilt, vor allem aber Schuhe. Aus Dankbarkeit küsste
der Vater Manfreds Hand.
Auch uns kamen die Tränen. Bevor es wieder nach
Hause ging, wurde noch ein Nomadensupermarkt besucht.
Eine sesshafte Berberfamilie versorgt die Nomaden im Umkreis
mit dem Nötigsten, wie Mehl, Hirse, Öl, Konserven
und so weiter. Das Oberhaupt der Familie lud uns zum Tee ein
und zeigte uns stolz sein Haus und das Geschäft.
Dann wurde es aber Zeit für die Rückfahrt, bevor
es dunkel wurde. Es waren ungefähr 45 Kilometer über
Stock und Stein bis zum Haus von Thomas. Auf halber Strecke,
mitten in der Wüste, wartete ein Mann auf
uns. Er wusste wohl genau, dass wir wieder dort vorbei kommen
würden. Es war der Vater der ersten Familie. Ali unterhielt
sich mit ihm und kam freudestrahlend
zurück. Wir wurden für den nächsten Tag zu
einer
Nomadenhochzeit eingeladen. Was für ein Privileg für
uns! Am späten Nachmittag des folgenden Tages, machten
sich alle Beteiligten schick, Fdoum und Ali in ihrer Stammestracht
mit Silberschmuck und Krummsäbel.
Sie sahen beide bezaubernd aus.
Sechs Kinder und sechs Erwachsene wurden ins Auto geladen.
Oma Ginger musste vorn sitzen, weil sie das Autofahren nicht
so gut vertragen und sicheventuell übergeben könnte.
Im nächsten Dorf kauften wir gemeinsam mit Thomas das
Hochzeitsgeschenk,
zwei große Zuckerhüte und einige Päckchen
Tee. Wir waren ganz erstaunt, dass das alles sein sollte,
aber
man beruhigte uns, es wäre genug.
Es war bereits dunkel, als wir von der Straße auf die
Piste abbogen und nach ungefähr drei Kilometern das Festzelt
erreichten. Zu erkennen waren zwei Zelte, wie sich herausstellte
ein Frauen- und ein Männerzelt. Eine kleine Gaslaterne
verströmte ein wenig Licht in der stockdunklen Nacht.
Den Weg mussten wir mit der Taschenlampe ausleuchten, um nicht
über Steine zu stolpern.Unsere Augen gewöhnten sich
schnell an die Dunkelheit. Etwas abseits standen einige Esel
mit
denen manche Gäste gekommen waren. Viele kamen zu Fuß
von weit her.
Wir waren die Sensation für Erwachsene und Kinder und
wurden gleich umzingelt und neugierig betrachtet.
Einige Mädchen betrachteten es als Mutprobe an, eine
blonde, weiße Frau zu berühren, um dann gleich
wegzulaufen. Doch dann mussten wir uns trennen: Die Männer
gingen in das Männerzelt und die Frauen und Kinder in
das Frauenzelt. Wir waren getrennt in einer anderen
Welt.
Unglaublich, was für ein Bild tat sich uns auf. Fatma
wich nicht von meiner Seite. Sie genoss die Aufmerksamkeit,
mit der uns Frauen und Kinder betrachteten.
Im Frauenzelt wurde das Essen, Couscous, zubereitet und der
Rauch vom offenen Feuer brannte in den Augen. Fatma hatte
mal wieder eine Rotznase und bekam von mir eine
Packung Papiertaschentücher.
Alle Augen im Zelt waren auf das kleine Mädchen gerichtet.
Taschentücher sind hier völlig unbekannt. Sie nahm
sich, wie eine kleine Dame, ein Taschentuch aus der Verpackung,
putzte sich damit selbst die Nase und wurde von den großen
Mädchen, die alles genau beobachteten, sehr bewundert.
Tanzende und singende Frauen und Männer erzeugten vor
dem Zelt eine Gänsehautatmosphäre.
Wir waren herzlich willkommen und durften sogar
fotografieren. Bei den Männern gab es Tee. 30 bis 40
Männer mussten sich acht Gläser teilen.
Sie wurden nach dem Benutzen nicht abgewaschen, sondern mit
einem Tuch ausgewischt.
Als Gast bekam ich natürlich ein Glas und wurde von den
Männern genau beobachtet. Vor dem Essen wurde eine Schale
mit Wasser herumgereicht zum Händewaschen. Draußen
spielte die Nomadenband. Dann kam das Essen für
die Männer. Die Frauen mussten sich mit Tee begnügen.
Eine große Schale aus Ton, gefüllt mit einer fast
klaren Brühe und ein paar Karotten. In der Mitte ein
Ziegen- oder Schafskopf. Das Oberhaupt reichte mir ein Stück
Fladenbrot und als Gast durfte ich anfangen
zu essen. Etwas später, als wir uns wieder draußen
trafen, wurden wir noch kurz dem Bräutigam vorgestellt.
Ali drängte zum Aufbruch. Völlig durchgefroren gingen
wir zurück zum Auto.
Mit sechs Erwachsenen und sechs Kindern war unser Platzangebot
im Auto völlig ausgereizt, aber nun wollten viele der
Gäste mitfahren und drängten
sich regelrecht in unsen LKW.
Ali musste ein Machtwort sprechen. Ein Nachbar von Thomas
durfte mitfahren, denn er musste zu Hause nach den Tieren
sehen und am nächsten Tag ging er wieder zu der Hochzeit
, die insgesamt dre Tage lang gefeiert wurde. Da die ganze
Verwandtschaft bereits für die Hochzeit versammelt war,
passte es sehr gut, gleich noch ein Ereignis zu feiern: Thomas
erzählte uns,
dass in seiner Nachbarschaft ein Wunderheiler wohnt, der von
Marokkanern und Nomaden um Rat und Hilfe gebeten wurde. Meistens
mit Erfolg, auch wenn es unglaublich klingt. Die Familie hatte
ihr siebtes Kind bekommen und dieses Mädchen sollte nun
ihren Namen erhalten. Darüber hinaus wurde an diesem
Tag auch die Beschneidung des jüngsten Jungen vorgenommen.
Männer und Frauen in ihrer traditionellen Tracht, die
Männer mit Dolchen und Gewehren.
Alle tanzten und waren fröhlich.
Zwei der Frauen tanzten sich so sehr in Extase, das sie ohnmächtig
wurden und von den Männern gestützt werden mussten.
Es war ein phänomenales und ergreifendes Schauspiel welches
ich miterleben und fotografieren durfte. Manfred war leider
nicht dabei, er hatte noch mit den Nachwirkungen der Hochzeit
zu kämpfen, Durchfall! Ich war froh, dass es auf der
Hochzeit für die Frauen nichts zu essen gab, denn sie
bekommen das, was die Männer ihnen übrig lassen,
aber da waren wir schon nicht mehr anwesend. Auf jeden Fall
war es ein großes Fest und im Laufe des Tages trafen
immer mehr Nachbarn und Verwandte ein. Auch Ginger, Alis Mutter
war dabei. Thomas erzählte uns, dass sie die ganze Nacht
durchtanzen würde, sich aber in den
kommenden Tagen nicht mehr rühren könnte.
Große Nachfrage Auch an den nächsten Tagen
kamen immer wieder Nomaden zu uns und fragten nach Kleidung
und Kuscheltieren. Thomas passte auf und sagte uns, wer unbedingt
etwas brauchte, denn es waren auch Leute dabei, denen es besser
ging. Viele Kugelschreiber und Malstifte gaben wir Mohand
mit in seine Dorfschule, die er gegen den Widerstand seiner
Oma und Mutter besucht. Thomas musste alle seine Überredungskünste
anwenden, damit der Junge in die Schule durfte. Demnächst
wird Lassem eingeschult und
die kleine Fatma wird das erste Nomadenmädchen sein,
das eine Schule besucht. Aber dafür wird Thomas sehr
Kämpfen müssen.
Nach Meinung vieler Eltern ist Schule, und dann auch noch
für Mädchen, völlig unwichtig.
Nach drei Wochen Aufenthalt, kauften wir in Er-Raschidia Obst
und Fladenbrot für die nächste Etappe in Richtung
Süden. Der Weg führte uns nach Erfoud.
Ab dort gab es praktisch nichts mehr, außer Sand. Erfoud
ist in Marokko eine der Hochburgen
für Fossilienverkäufer und -sammler. Wir lernten
Mohamad kennen, einen jungen Mann, der einen Fossilienstand
hatte. Wir durften dort auf seinem Gelände übernachten
und freundeten uns mit ihm an. Schon am folgenden Tag wurden
wir zum Couscous-Essen bei seiner Familie eingeladen. Er zeigte
uns stolz sein Haus und in seinem Wohn- und Schlafzimmer stand
sogar ein batteriebetriebenes Fernsehgerät. Zur Begrüßung
bekamen den obligatorischen Minztee. Wir sahen uns einige
Familienbilder an, bis es das Essen gab. Ab und zu rieselte
etwas Lehm von der Decke und
fiel mit einem Plopp in unser Teeglas. Da ich
eine begeisterte Fossilien- und Steinesammlerin
bin, bot sich Mohamad an, mit uns Sandrosen zu suchen. Also
fuhren wir mit ihm und seinem kleinen Sohn, auf Pisten, die
er genau kannte, ungefähr 45 Kilometer
in Richtung algerische Grenze. An einer wunderschönen
Oase machten wir Rast und unser Führer bereitete uns
eine Wüstenpizza zu. Den Teig und die Füllung hatte
er von zu Hause mitgebracht. Er baute im Sand einen provisorischen
Ofen. Die Pizza wurde in die Glut gelegt, mit Sand überdeckt
und eine halbe Stunde lang gebacken.
Sie schmeckte vorzüglich,nur der Sand zwischen den
Zähnen störte beim Kauen. Im Anschluss daran ging
es auf Suche nach den Sandrosen. Alleine hätte ich nichts
gefunden, erst als mich Mohamad auf die Stellen aufmerksam
machte, fand ich einige Exemplare.
Wir hatten schon wieder das Glück, einen Einheimischen
kennengelernt zu haben, der uns Einblick in seine Welt gewährte.
Wir konnten uns gut unterhalten, denn er sprach ganz gut deutsch.
Er hatte es von Touristen gelernt.
Wir waren immer wieder erstaunt, wie viele Marokkaner
unsere Sprache kannten. Beschämend für uns, wir
konnten noch nicht mal französisch.
Wir trennten uns nur schweren Herzens, aber wir wollten weiter
zum Erg Chebbi (Großer Sand).
Nach einigen Kilometern erreichten wird das Ende der geteerten
Straße und vor uns lag eine unübersehbare Wüstenlandschaft,
die wir durchquerenmussten und das ohne GPS, nur den Pfählen
nach, die in großen Abständen im Sand steckten.
Wir wollten Abenteuer erleben, jetzt war es soweit. Also wieder
Allrad und Sperren rein und ab durch die Wüste, mit der
Sonne, immer nach Süden. Schliesslich erreichten wir
unser Ziel, die bis zu 200 Meter hohen Sanddünen des
Erg Chebbi.
Nach Jahrzehnten hatte es in der Wüste wieder geregnet
und uns tat sich eine atemberaubende Kulisse auf. Vor dieser
grandiosen Dünenlandschaft hatte sich ein großer
See gebildet, an dessen Ufer Flamingos im seichten Wasser
nach Futter suchten. Wir
sahen herrliche Sonnenauf- und -untergänge. Kamelkarawanen
zogen an uns vorbei und uns gelangen
phantastische Fotos.
Nachdem wir einige Tage Sonne getankt hatten, zog es uns wieder
in den Norden zu Thomas
und der Nomadenfamilie.
Alle freuten sich, uns wieder zusehen und so schloss sich
der Kreis. Schon bald ging es weiter, auf
zum nächsten Abenteuer.
Es gab ja noch so viel zu sehen ...
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